WER NICHT FRAGT WIRD NICHT GESEHEN

WER NICHT FRAGT WIRD NICHT GESEHEN
2016, Emscherkunst Dortmund
Performance, Dauer: 28 Tage



©Fotos: Sebastian Liebl

In jeder dritten Woche während der vier Ausstellungsmonate der Emscherkunst waren wir immer gemeinsam 24/7 im Unionviertel in Dortmund unterwegs (Termine: 20. – 26. Juni, 18. – 24. Juli, 15. – 21. August und 12. – 18. September). Dabei begegneten wir Menschen, sprachen diese an und lernten sie kennen. Mit Hilfe von Peilsendern wurde unser aktueller Aufenthaltsort auf der Internetseite www.wer-nicht-fragt-wird-nicht-gesehen.de (deaktiviert, da Aktion abgeschlossen) angezeigt. Jede unserer Bewegungen war somit öffentlich, unsere Spur durch das Viertel konnte von Jedem verfolgt werden und Jeder konnte uns aufsuchen. Wir wurden mitgenommen und gefunden und wurden im Viertel aktiv wahrgenommen. Je nach Situation haben Gespräche, spontane Aktionen oder performative Interventionen stattgefunden die unterschiedlich lang dauerten – von wenigen Minuten bis zu Tagen.

Während dieser Performance, die uns dazu bewegte uns auf fremde Menschen einzulassen, die uns in ihr Leben liessen, fiel uns auf wie unerwartet Intimität entstehen kann, wenn man für eine gewisse Zeit nur existiert um für Jemanden da zu sein. Wir wurden zum Geburtstag eingeladen, kauften im Namen des Sohnes Geschenke für die Mutter, waren dabei, als sich Jemand durch uns motiviert dazu traute, seine Freundin zu verlassen und gruben mit einem Rentnerpaar ihren Garten um, tauschten geschenktes Sexspielzeug eines ORION-Ladens auf dem REWE Parkplatz gegen Geheimnisse, schliefen im Schaufenster eines Ladens und wurden zu momenthaft wichtigsten Bezugspersonen. Es folgten unzählige Momente mit Menschen, die wussten, dass sie unsere Gesellschaft, Unterstützung und Zuneigung zu jeder Zeit in Anspruch nehmen konnten. Und das nur, weil wir uns durch die Aktion einen Zeitraum setzten, indem wir nichts anderes taten als das. Wir waren abhängig von einem unbekannten Umfeld, das uns mal Schlafplatz und Wohlwollen bot und mal nicht.


©Foto: Hubertus Huvermann